Der Karlspreisträger außerordentlicher Karlspreis

Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II.

Träger des Außerordentlichen Karlspreises

Zur Person:
  • Karol Józef Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice geboren.
  • Er ging im Alter von 9 Jahren zur Erstkommunion und erhielt die Firmung im Alter von 18. Nach seinem Abitur immatrikulierte er sich 1938 an der Jagellonen-Universität in Krakau und an einer Schauspielschule; später belegte er Kurse am verbotenen Priesterseminar in Krakau.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Studien fort und wurde am 1. November 1946 zum Priester geweiht. 1948 promovierte er in Theologie mit einer Arbeit über das Thema Glauben in den Werken des Heiligen Johannes vom Kreuz.
  • Am 4. Juli 1958 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Weihbischof von Krakau; am 28. September desselben Jahres wurde er geweiht.
  • Am 13. Januar 1964 erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof von Krakau durch Papst Paul VI., der ihn am 26. Juni 1967 zum Kardinal ernannte. Außer seiner Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil, zu dem er einen bedeutenden Beitrag leistete zur Erstellung der Konstitution Gaudium et spes nahm Kardinal Wojtyla an sämtlichen Versammlungen der Bischofs-Synoden teil.
  • Am 16. Oktober 1978 wurde Kardinal Prof. Dr. Karol Józef Wojtyla zum ersten nicht-italienischen Oberhaupt der katholischen Kirche seit 1522 gewählt. Mit der Macht des Wortes hat Papst Johannes Paul II. den europäischen Kontinent nachfolgend geprägt wie keine andere Persönlichkeit seiner Zeit. Und mit der Macht des Wortes hat er mehr Menschen persönlich angesprochen, erreicht und fasziniert als jeder andere vor ihm.
  • Gestorben am 2. April 2005
Begründung des Direktoriums der Gesellschaft für
die Verleihung des Außerordentlichen Karlspreises an
Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II.:

(1) Europa ist durch seine gemeinsame Geschichte, vielfach geteilte Erfahrungen und schließlich eine übereinstimmende Kultur des Lebens zu einer Wertegemeinschaft geworden. Der Geist der Antike, der Einfluss verschiedener religiöser Bekenntnisse, vor allem aber die Überzeugungen und die Kraft des Christentums haben ein Fundament gelegt, auf dem sich Freiheit, Respekt und Toleranz, Gleichheit und Solidarität entfalten konnten.

(2) Der Entwurf einer politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Europäischen Union ist erst durch diese Errungenschaften und die über Jahrhunderte hinweg gewachsene gemeinsame Identität möglich geworden.

(3) Europa erkennt heute die Herausforderung, seine besten geistigen Traditionen und Werte der Welt anzubieten und auf schöpferische Weise einen gestalterischen Beitrag zur neuen Weltordnung zu leisten.

(4) Das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen fühlt sich beehrt, einmalig und in außergewöhnlicher Weise Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. mit der Verleihung des außerordentlichen Karlspreises auszeichnen zu dürfen.

(5) Papst Johannes Paul II. lebt den Menschen auf der ganzen Welt in herausgehobener und vorbildlicher Weise die europäischen Werte vor, insbesondere den Respekt vor der Würde und der Freiheit des Menschen, die Gleichheit, die Solidarität und die Mitmenschlichkeit. Er repräsentiert wie kein anderer die Unantastbarkeit der Menschenrechte und des Friedens.

(6) Seine Begegnungen und Gespräche demonstrieren, dass Völker, Religionen und Kulturen harmonisch miteinander leben können, ohne dass ein Mensch oder ein Staat deswegen auf die Wahrheit, so wie er sie in Freiheit erkennt, verzichten müsste.
Sein Respekt vor dem Leben lehrt uns, die Schöpfung und insbesondere ihre Krönung, den Menschen, zu achten.

(7) Papst Johannes Paul II. bezeugt mit seiner Lebenshaltung, dass die in Europa erstrittenen Werte und Traditionen beim Aufbau einer neuen politischen Weltordnung maßgebliche Bedeutung gewinnen können und Europa in diesem Sinne auch Einfluss nehmen sollte. Durch sein Vorbild fordert der Heilige Vater uns Europäer auf, diese Werte, vor allem auch die Botschaft des Friedens in der Welt zu vertreten.

(8) Die Person und das Lebenswerk Papst Johannes Pauls II. sind ein Vorbild für den europäischen Integrationsprozess. Das von ihm verkörperte Wertefundament ermöglicht den Menschen in der Europäischen Gemeinschaft, sich auf dieser gemeinsamen Grundlage als Europäer wiederzufinden. In seinem „Lebensprogramm für ganz Europa“ macht er darauf aufmerksam, dass die Europäische Union nur dann eine wirksame Einheit sein kann, wenn sie nicht nur die wirtschaftlichen und politischen, sondern vor allem die geistig-kulturellen Werte fördert.

(9) Kultur ist für ihn das gemeinsame Erbe von ethischen Werten und religiösen Erfahrungen. Kultur bedeutet für ihn auch Reichtum des Lebens, Austausch der geistigen Traditionen und Errungenschaften sowie wechselseitige schöpferische Befruchtung. Er empfiehlt den Staaten und Regierungen, jeweils auf die ihnen eigene Weise durch nationale und regionale Beiträge eine Konkretisierung der einzigartigen europäischen Kultur vorzunehmen – gleichzeitig aber den Respekt vor der Verschiedenartigkeit zu wahren. In einer Ansprache des Jahres 1982 in Santiago de Compostela forderte der Heilige Vater Europa auf: „Finde wieder zu Dir selbst. Sei Du selbst. Entdecke Deine Ursprünge. Belebe Deine Wurzeln... Du kannst weiterhin Leuchtbogen der Kultur und Antriebskraft für den Fortschritt auf der Welt sein.“

(10) Papst Johannes Paul II. hat den interreligiösen Dialog gefördert und dadurch auch das Zusammenleben der Menschen im sich verändernden Europa verbessert. Er lehrt uns, dass eine multikulturelle Gesellschaft nicht ohne gemeinsame Konstanten, ohne Richtpunkte und -werte auskommen kann. Verleugneten wir dies, negierten wir die Identität Europas und gäben unseren Kulturen eine Profanität, die nicht mehr schöpferisch wäre. Engagiert und überzeugend tritt Seine Heiligkeit immer wieder für die Überwindung des Antisemitismus ein.

(11) Der Papst hat durch seine Haltung, auch sein politisch verstandenes Auftreten den Fall des Eisernen Vorhangs maßgeblich gefördert und damit den Erweiterungs- und Integrationsprozess für das gesamte Europa mitangeregt. Sein Wirken war vom Zeitpunkt seiner Wahl an von großer Bedeutung für die Menschen in Mittel- und Ost-Europa. Er hat sie – lange vor dem Fall der Ideologiegrenze – immer wieder aufgefordert, die eigene Zukunft demokratisch zu gestalten; er hat an Freiheit und Humanität erinnert, damit gegen Gewalt und Unterdrückung Stellung bezogen. Er hat den Menschen für den Prozess der Befreiung Mut und Zuversicht gegeben, auch das Gefühl, zu Europa zu gehören. Gleichzeitig hat er die übrigen Europäer durch sein Eintreten für die Entwicklung zu Freiheit und Demokratie davon überzeugt, dass hinter dem Eisernen Vorhang ebenfalls Europäer lebten, europäische Kultur gepflegt wurde und ein europäisches Bewusstsein bestand, dass demnach die künstlich gesetzten Grenzen zwischen Ost- und West-Europa als Teilung des Kontinents überwunden werden sollten.

(12) Das Engagement des Heiligen Stuhls bei der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa stützte politisch diese Zielsetzung und half schließlich mit, den Kalten Krieg zu beenden.

(13) 1985 forderte der Papst in einer wegweisenden Rede in Brüssel dazu auf, den Frieden auf Fundamenten der dauerhaften Verständigung zu schaffen, und die Bedingungen für gemeinsame europäische Gespräche wieder herzustellen.

(14) Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. hat große Verdienste an der Beendigung der kommunistischen Herrschaftssysteme in Europa sowie an der unblutigen Integration der betreffenden Völker.

(15) Durch seine Reisen und seine unablässigen Bemühungen, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Auffassung und auch verschiedenen Glaubens zusammen zu bringen, den Dialog zu fördern und die Suche nach den Gemeinsamkeiten zu vertiefen, bestärkte Papst Johannes Paul II. die Bürger in dem Gefühl, dass Europa sich vor einer Öffnung nicht fürchten müsse, sondern dass gerade die Öffnung Ausdruck seiner Kraft sei und dass es zu Gemeinsamkeit und Verständigung der Völker keine Alternative gebe.

(16) In der aktuellen Debatte über den vom Europäischen Konvent vorgelegten Verfassungsentwurf ist der Haltung des Papstes mit Respekt zu begegnen. Johannes Paul II. fordert, dass die Verfassung auch den Beitrag des christlichen Erbes in Europa anerkennen müsse. Er ruft die politischen Entscheidungsträger auf, diese geschichtliche Erfahrung letztlich zur Wiederherstellung der europäischen Identität zu nutzen und den Gottesbezug in den Verfassungstext aufzunehmen.
Papst Johannes Paul II. hat die Europäische Union dazu aufgefordert, mit den Glaubensgemeinschaften einen strukturierten Dialog aufzunehmen, der vom Respekt ihrer Freiheit, ihrer Rechte und ihrer spezifischen Identität geprägt ist (vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa, 114).

(17) Der Papst ermahnt Europa auch immer wieder, die Charta der Grundrechte der Europäischen Union umzusetzen und so dem Wirtschaftsraum Europa die erforderliche „geistige Verankerung“ zu geben.

(18) Papst Johannes Paul II. tritt als außerordentlich belebender und konstruktiver, geistiger und geistlicher Mittelpunkt im europäischen Integrationsprozess auf.

(19) Das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen würdigt sein Wirken als herausragenden und vorbildlichen Beitrag zur Einheit Europas und zur Rolle Europas in der Welt.

Der Text der überreichten Urkunde lautet: Der Text der überreichten Medaille lautet:

Am 24. März 2004, wurde in Rom der Außerordentliche Internationale Karlspreis zu Aachen an Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. verliehen in Würdigung seines herausragenden Wirkens für die Einheit Europas, die Wahrung seiner Werte und die Botschaft des Friedens.

Außerordentlicher Karlspreis Aachen
Papst Johannes Paul II.
Europa des Friedens

Der Festakt zur Preisverleihung fand am 24. März 2004 im Apostolischen Palast zu Rom statt. Anlässlich der Preisverleihung wurden folgende Reden gehalten: